Eine Kraft, die aus der Stille kommt | NZZ

Im Oktober beging sie ihren 85. Geburtstag, und noch immer ist Sofia Gubaidulina eine der originellsten Stimmen der zeitgenössischen Musik. In einem ihrer raren Interviews spricht sie über die Quelle ihrer erstaunlichen Kreativität.

«Im Kern des Lebens und im Kern alles Existierenden liegt Schmerz. Mir scheint, unser lieber Gott hat die Welt als erstes grosses Opfer geschaffen. Er hat die Vollkommenheit geopfert, indem er die Zeit erfunden hat. Zeit und Raum können nicht als Vollkommenes existieren. Nur ausser der Zeit gibt es wirklich Vollkommenheit» – die jeder Künstler, aller Unmöglichkeit zum Trotz, dennoch erreichen möchte. Dadurch entstehen Schmerz und kreative Spannung: «Wenn der Mensch nach Vollkommenheit strebt, begeht er eigentlich eine Sünde. Es ist Hochmut! Manchmal sehe ich das bei mir selbst, wenn ich womöglich versuche, das Beste zu erreichen. Aber vielleicht ist es nur mein Hochmut?»

Der Sinn des Lebens, sagt Sofia Gubaidulina, gehe ohne Religion verloren.» So bedeutet «re-ligio» für sie das Wieder-Herstellen einer Einheit, die im «Staccato des Lebens» verschwinde. Der kompositorische Prozess ist der Weg dorthin, in gewissem Sinn ein sakraler Akt. «Meine Kindheit war ziemlich arm an Eindrücken, und nur die Musik hat mir Sinn gegeben.»

Quelle: Eine Kraft, die aus der Stille kommt | NZZ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.